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Grundlagen des Golfens

Golf ist noch lange kein Breiten­sport. Inzwischen kennt aber je­der jemanden, der bereits Golf spielt. Oder man ist selbst schon einmal an einem Golf-Club vorbeigefahren und hat die weiten Graslandschaften be­wun­dert, die sich idyllisch in die Landschaft einfügen. Immer häufiger lassen sich Außenstehende dazu überreden, einmal einen Golfschläger in die Hand zu nehmen, um auf einem Schnup­perkurs oder bei einem Tag der offenen Tür zu versuchen, den weißen Golfball mit einem zügig durchgeschwungenen Schlag so richtig satt von der Seite zu treffen.

Das trockene “Tock”, wenn der Schlägerkopf den weißen Ball mit den nach innen gerichteten Noppen richtig trifft, geht jedem Golf-Spieler durch Mark und Bein - ganz egal, ob dieser schon seit Jahren übers Fair­way läuft oder ob er gerade zum allerersten Mal den Schläger in die Hand genommen hat. Ob die­ses Gefühl des perfekt geführ­ten Schlags und die Ansicht des schnurgerade davon flitzenden Balls besser als Sex sind, muss jeder Spieler natürlich für sich selbst entscheiden. Beken­nen­de Golfer dementieren es aber auch nicht.

Knapp 700 Golf-Clubs gibt es al­leine in Deutschland. Jeder Club öffnet seine Anlagen im Schnitt für etwa 500 bis 1.000 zahlende Mitglieder, sodass Ex­per­ten von etwa einer halben Mil­lion organisierter Golf-Spieler ausgehen. Die Zahl wächst eben­so stetig wie die Zahl der Clubs, die im Deutschen Golf­verband (DGV) organisiert sind. Noch ist Golf aber kein Breiten­sport. Aber es ist eben auch kein Nischensport mehr, der dem Kli­schee folgend nur von neurei­chen Firmenchefs, Supersport­lern im Ruhestand oder adligen Gutsbesitzern ausgeübt wird.

Eine ganze Menge Schläger
Freilich: Die Hürden sind hoch, die jeder nehmen muss, der sich fortan Golfer schimpfen möch­te. Beim Fußball reicht es schon aus, sich einen Ball zu kaufen und auf einem öffentlichen Fuß­ballplatz ziellos herumzu­kicken. Schon kann man sagen: Ich spiele Fußball. Beim Golf ist das doch etwas komplizierter. Um den Sport auszuüben, braucht es zunächst das pas­sen­de Handwerkszeug. Zu­nächst muss ein Satz Schläger her. Da sind zunächst die Eisen, die von 1 bis 9 durchnum­me­riert sind. Diese neun Schläger un­terscheiden sich durch ihre Länge und die Neigung der Schlä­gerköpfe voneinander. Mit einem Eisen 1 schlägt der Spie­ler den Ball flach und weit, mit einem Eisen 9 hoch und kurz. Die Eisen helfen perfekt dabei, kurze Entfernungen bis zu 200 Meter zu überbrücken. Viele Gol­f­anfänger nutzen übrigens nur ein hal­bes Set, das die Schläger 5 bis 9 enthält.

Da die einzelnen Golfbahnen bis zu 600 Meter lang sein können, braucht es am Anfang schon et­was mehr Power, um den Golfball weit fliegen zu lassen. Das Holz 1, auch Driver ge­nannt, kommt hier ins Spiel. Das ist ein sehr langer Schläger mit einem leichten, aber sehr gro­ßen Kopf aus Leichtmetall wie Titan oder Aluminium. Er schafft es, den Ball mit einem sehr starken Bewe­gungs­­mo­ment zu treffen, so­dass sie im Einzelfall bis zu 300 Meter weit fliegen. Liegt der Ball anschlie­ßend auf dem Rasen zwischen Abschlag und Loch, kann auch ein Fairway Holz mit kleinerem Kopf zum Einsatz kom­men, der den Ball noch einmal um 100 bis 250 Meter nach vorn bringt.

Zum Schlag aus einem Bunker wird ein Sand Wedge benötigt. Dieser Schläger weist einen be­son­ders stark geneigten Schlä­gerkopf auf, der dazu in der La­ge ist, den Ball perfekt aus einem Sandhindernis he­raus­zulöffeln. Am Ende kommt dann der Putter zum Einsatz, der den Ball ins Loch bringt. Er erinnert an die Schläger vom Minigolf und wird auch ähnlich geführt.

Alle Schläger lassen sich ein­zeln kaufen und kosten in der Luxusausführung gut und ger­ne ein paar hundert Euro. Für Einsteiger reicht aber das Kom­plettset zum Einsteigerpreis völ­lig aus. 200 Euro müssen im Schnitt investiert werden, um einen Schlägersatz mit Trage­ta­sche (=Bag) zu erwerben. Gra­phit­schäfte kommen dabei zwar etwas teurer als die silbernen Stahlschäfte. Trotzdem sind sie sehr gut für den Einsteiger ge­eig­net, da sie deutlich biegsa­mer sind. Sie prellen den Golf­schläger demnach nicht gleich schmerzhaft aus der Hand des angehenden Golfers, wenn die­ser beim Üben wieder einmal den Schlägerkopf zu tief ins Erdreich hackt. Lohnend ist es auch, gleich zum Bag auch noch einen Schiebewagen hin­zu­zu­kaufen, der sich Trolley nennt. Ihn gibt es mit zwei oder drei Rädern, motorisiert oder auch nicht. Im Nullkomma­nichts ist der eigene Schläger­satz auf einem solchen Trolley montiert und lässt sich so leicht über die fünf bis sechs Kilometer Länge schie­ben, die ein typi­scher Golf­platz in etwa misst.

Wer einmal seine Schlägerta­sche auf den Schultern über den Platz getragen hat, gibt ächzend und mit Muskelkater gern noch einmal 100 Euro und mehr für einen entsprechenden Wagen aus. Wichtiger als ein Getränkehalter oder ähnlicher Schnickschnack ist beim Kauf üb­rigens die Frage, wie Platz sparend sich der Trolley zusam­men­falten lässt. Damit er noch zusammen mit dem Golf-Bag in den Kofferraum des Autos passt.

Zu den Schlägern muss natür­lich auch noch das Outfit pas­sen. Golf-Schuhe mit ganz spe­zi­el­len den Rasen schonenden Stollen, Stoffhosen (nur ja keine Bluejeans), Polohemden, eine Müt­ze und ein spezieller Hand­schuh für die linke Hand (rechts bei Linkshändern) - schon ist das Ensemble komplett.

Ein 45,93 Gramm schwerer Golfball
Der moderne Golfball hat sich im Grunde nach 1898 nicht mehr verändert. Der Ameri­kaner Bertram Work hat einen Ball entwickelt, der aus einem weichen Kunstharzkern be­steht, um den ein Gummifaden gewickelt ist. Die Außenhaut besteht aus extrem harten Plastik. Ein Golfball hat einen genormten Durchmesser von 42,67 Millimetern und wiegt nicht mehr als 45,93 Gramm.

Von Hause aus war der Golfball früher ganz glatt. Dann be­merk­ten allerdings einige Spie­ler, dass ihre geschundenen Bäl­le umso weiter fliegen, je mehr Dellen sie aufweisen. “Schuld” an diesem Effekt ist eine Verringerung des Druckwider­stands, der bei einer Kugel ent­steht, wenn auf der Stirn- und der Rückseite unterschiedliche Drücke herrschen. Der Druck­wider­stand erzeugt Wirbel hin­ter einer fliegenden Kugel, die den Ball deutlich abbremsen. Moderne Golfbälle weisen des­we­gen Dellen oder Grübchen na­mens Dimples auf, die den Druck­wiederstand um bis zu 50 Prozent reduzieren. Aus diesem Grund fliegen Golfbälle vier Mal weiter, als dies ohne Dimples möglich wäre.

Ein neuer Golfball kostet etwa vier Euro. Nach oben hin gibt es auf der Preisskala kaum eine Grenze: Neue Techniken und die etablierten Markenlogos ver­teuern einen Ball erheblich. Da ein Golfer auf jeder einzelnen Runde leicht mehrere Menge Bälle verlieren kann, weil er sie in Wasserhindernisse und in hohe Wiesen schlägt, sparen Golfer gerne bei der Anschaf­fung neuer Bälle. So investieren sie etwa in Lakeballs. Dabei handelt es sich um benutzte Bälle, die Taucher aus den Wasserhindernissen der Golf­plät­ze herausgefischt haben. Sie kosten im Schnitt zwischen 40 und 70 Cents pro Ball - ab­hän­gig vom Händler und der Qualität. Topbälle weisen keine Schlagspuren, Kratzer, Be­schriftungen und Verfärbungen auf.

Begehrt bei vielen Golfspielern sind übrigens Logobälle, die ge­sammelt und in Vitrinen ausgestellt werden. Jeder Golf­club gibt einen eigenen Logoball mit dem aufgedruckten Logo aus. Oft werden Logobälle aber auch auf Turnieren vergeben - mit dem Zeichen des Sponsors. Die Anzahl der Logobälle in der eigenen Vitrine weist demnach darauf hin, wie viele Plätze der Golfer bereits bespielt hat.

Von Clubmitgliedschaften und Greenfees
Der angehende Golf-Spieler kann die tollsten Schläger und das beste Outfit haben - er braucht zum Ausüben seiner Sportart auch noch den richti­gen “Spielplatz”. 700 Golf-Clubs gibt es etwa alleine in Deutsch­land - weltweit kommt natür­lich noch ein Vielfaches hinzu. Nun ist es so, dass die Golf-Clubs nicht einfach jeden Spie­ler auf ihre mühsam und teuer ange­legten und vom Greenkee­per gepflegten Löcher lassen.

Im klassischen Fall wird der Spieler Mitglied in einem nahe gelegenen Club. Eine Jahres­mit­glied­schaft kostet im Schnitt etwa 1.300 Euro. Das klingt zunächst einmal nach viel Geld. Die Mitgliedschaft sorgt aber dafür, dass der Spie­ler die Anlage des Clubs beliebig häufig nutzen darf, ohne dafür noch einmal in die Tasche grei­fen zu müssen. Billiger wird es, wenn die Möglichkeit besteht, bei einer Firmenmitgliedschaft mit unterzuschlüpfen. Je mehr Angestellte einer Firma gemein­sam in den Golf-Club eintreten, umso niedriger fällt die Jahres­ge­bühr aus.

Wer Mitglied in einem Club ist, bekommt einen Mitgliedsaus­weis ausgestellt und lässt sein Handicap vom Club verwalten. Der Ausweis ist übrigens nicht nur zum Anschauen da. Er muss in anderen Clubs vorge­zeigt werden, um auf diese Wei­se die Berechtigung nachzu­weisen, einen Golfplatz betreten zu dürfen. Auf “fremden” Golf­plätzen muss dann eine Platz­gebühr bezahlt werden, das so ge­nannte Greenfee. Diese Ge­bühr beträgt zwischen 25 und 70 Euro, die für die einmalige Nut­zung der 18 Löcher zu be­rap­pen ist. Die Höhe der Gebühr ist abhängig vom Platz, von der Saison und vom Wochentag. Am Wochenende liegt das Greenfee meistens etwas höher als unter der Woche.

Golfspieler, die Geld sparen möchten, buchen eine Fernmit­gliedschaft bei einem Club, der mindestens 100 oder 200 Kilo­meter vom eigenen Wohnort entfernt liegen muss. So stellen die­se Clubs sicher, dass die Fernmitglieder nicht doch täglich zum Spielen vorbei­kom­men - und geben die Mitglied­schaft dann für nur 200 bis 400 Euro ab. Der Vorteil der gün­stigen Mitgliedschaft wird na­tür­lich vom Nachteil aufgewo­gen, dass die betroffenen Golfer sozusagen auf jeder einzelnen Runde auf einem nahen Platz ein teures Greenfee bezahlen müssen.

Trainerstunden und Platzreife
Die Probleme hören noch im­mer nicht auf. Eine Hürde muss der angehende Golfer noch im­mer nehmen: Er kann auch als Mit­glied in einem Golf-Club nicht einfach so auf den Platz laufen. Vorher muss der Golfer beweisen, dass er auch dazu in der Lage ist, sich korrekt auf ei­nem Golf-Platz zu bewegen. Das bedeutet, dass der Golfer sein Spiel so weit beherrschen muss, dass er mit seinen Schlä­gern nicht den halben Platz zerhackt. Er muss auch so gut spielen können, dass er andere Golfer etwa auf dem Nachbar­loch nicht aus Versehen ab­schießt. Er muss außerdem die offiziellen Regeln beherrschen, die genau vorgeben, wann wie und wo der Ball in welcher Weise zu spielen ist. Und er muss die Etikette beherrschen.

Die Etikette gibt das eigene Verhalten auf dem Golf-Platz vor. Sie regelt nicht nur das eigene Erscheinungsbild, son­dern auch die Höflichkeits­formeln. So müssen die Spieler zügig spielen, um nachfolgende Golfer nicht aufzuhalten. Sie dürfen sich außerdem nicht un­ter­halten, wenn einer aus der eigenen Gruppe gerade ab­schlägt. Lautes Unmutsge­brüll bei einem fehlgegangenen Ab­schlag, Zurufe über weite Ent­fernungen und ein Weiter­lau­fen, wenn andere aus der Grup­pe hinter einem noch ihren Ball schlagen müssen, sind ebenso verpönt wie nach der Benut­zung nicht geharkte Bunker oder Golfspieler, die sich am Ende einer Bahn mitten auf die Putt-Linie stellen - das ist die ge­dachte Linie zwischen einem nah an die Fahne heran­ge­spiel­ten Ball und dem Loch.

Die eigene Befähigung, einen Golf-Platz beherrschen zu kön­nen, wird durch die Platzreife ausgedrückt. Das ist der Füh­rer­schein aller Golfer. Er wird von einem offiziellen Trainer abgenommen, der sich in jedem Golf-Club buchen lässt. Die meis­ten Clubs bieten regel­rech­te Platzreife-Kurse an, die sich in der Gruppe bestreiten lassen und an deren Ende die offizielle Platzreife-Prüfung liegt. Dabei gehen die Prüflinge meist über die ersten neun Löcher eines Platzes und zeigen hier, was sie können. Am Ende werden die Schlä­ge der besten sechs Bahnen ausgewertet. Konnte sich der Prüfling hier angemes­sen beweisen, so erhält er die Platzreife ausgesprochen - und sein Handicap, das zunächst immer bei +54 liegt.

Alternativ zur Gruppe ist auch ein Einzeltraining möglich. Der Trainer zeigt dem Spieler so oder so auf der Driving Range, wie der Schläger richtig gehalten wird und wie der Schwung aus­sieht, der letztlich darauf ab­zielt, den Ball möglichst weit und möglichst gerade über den Ra­sen zu dreschen.

Die Driving Range ist ein sicherer Abschlag­platz, der meh­rere Abschlag­mat­ten anbietet und dahinter etwa 300 Meter Rasen anlegt, den aus Sicher­heits­gründen nie­mand betreten darf. Die Üben­den ziehen sich vorher aus ei­nem Automaten einen Korb Bäl­le, der zwischen ei­nem und zwei Euro kostet und um die 40 Bälle enthält. Die meisten Golfer nut­zen die Dri­ving Range, um sich vor einer richtigen Runde auf dem Golf-Platz “einzuschlagen”. Angehen­de Golfer üben hier ihren Ab­schlag, bis sie weit genug sind, um die Platzreife abzulegen.

Zu den Übungsanlagen gehören meistens auch ein Chipping Grün, das die Annäherung an das Grün mit dem Loch erlaubt, ein Bunker zum Üben des Schlags aus dem Sand heraus, ein Putting Green mit zahlrei­chen Löchern auf engstem Raum und ein Übungsplatz, der 6 oder 9 kurze Löcher anbietet. Die Übungsanlagen lassen sich auch von Golfern ohne Platz­reife nutzen - im Rahmen ihrer Trai­ningsstunde oder auch nach Zahlung einer geringen Gebühr von etwa zehn Euro.

Das erste Mal auf dem Platz
Golf ist ein extrem einfaches Spiel - theoretisch. Der Ball muss mit so wenigen Schlägen wie nur möglich ins Loch ge­bracht werden. Das allerdings zu meistern, ist eine Aufgabe, die alle Golfer auf Jahre hinaus beschäftigen kann.

Wer gerade erst mit dem Golfen anfängt, muss einige Grundla­gen kennen. Jede Bahn auf einem Platz weist ein bestimm­tes Par auf. Das Par legt die Anzahl der Schläge fest, mit denen der Golfball ins Ziel gebracht werden sollte. Ziel eines jeden Golfers ist es, dieses Par zu schaffen. In der Regel benötigen gerade die Einsteiger aber deutlich mehr Schläge.

Am Anfang einer Bahn steht der Abschlag. Er ist anhand seiner Markierungen und des im Oval kurz gemähten Rasens deutlich zu erkennen. In der Regel sind die Abschläge für Männer (rot markiert) von denen der Frauen (gelb markiert) getrennt - die Frau­en schlagen einige Meter näher beim Loch ab. Die rechts und links an einem Abschlag angebrachten roten und gelben Markierungen sind übrigens wichtig: Der Spieler muss im­mer HINTER ihnen abschlagen.

Beim Abschlagen und nur hier kommt ein Tee zum Einsatz. Das ist ein Holz- oder Plastik­pieker, der in die Erde gerammt wird und auf dem sich der Golf­ball ablegen lässt, sodass er ein kleines Stück weit über der Er­de schwebt. So lässt er sich gleich viel besser treffen. Nach dem ersten Abschlag kommt das Tee nicht mehr zum Ein­satz: Der Ball muss immer un­ver­ändert von dort aus geschla­gen werden, wo er gerade liegen bleibt.

Ein Golf-Spieler kann einen Platz alleine absolvieren. Mehr Spaß macht es aber, ihn in der Kleingruppe zu meistern, die Flight genannt wird. Maximal vier Golfer dürfen sich zu einem Flight zusammenschließen. Sie laufen möglichst in einer paral­lelen Ebene über eine Golfbahn, sodass keine Gefahr besteht, dass der eine Golfer den ande­ren “abschießt”.

Das kurz gemähte Gras zwi­schen Abschlag und dem Ende der Bahn nennt sich Fairway. Es schließt sich ein etwas höher stehendes Gras namens Semi-Rough an, das dann ins etwa kleiner-Finger-lange Rough-Gras übergeht. Die Spieler be­mü­hen sich, auf dem Fairway zu bleiben, das direkt zum Grün führt. Das Grün ist der extrem kurz geschnittene Rasen rund um das Loch herum, in dem eine Fah­ne steckt, sodass es sich auch schon von weiter Entfer­nung aus erkennen und “an­grei­fen” lässt. Ziel ist es immer, mit möglichst wenigen Schlägen auf dem Grün zu landen, um dann den Putter herauszu­ho­len, mit dem sich der Ball ins Loch befördern lässt.

Auf einem 18-Loch-Golfplatz gibt es kurze Par-3-Bahnen, mittlere Par-4-Löcher und die eine oder andere über 500 Meter lange Bahn, die dann mit einem Par 5 ausgestattet ist. Viele Hindernisse wie Bäche, Seen, hohe Wiesen, Bäume und an­grenzende Äcker sorgen dafür, dass der Spieler die Fahne nicht direkt anspielen kann. Das Grün wird in der Regel auch von Bunkern verteidigt. Das sind mal flache und mal tiefe mit Sand gefüllte Kuhlen. Landet der Ball in einem solchen Bun­ker, so ist es nicht immer leicht, ihn hier wieder freizuspielen. In der Tat brauchen vor allem Einsteiger oft gleich mehrere Versuche, um ihn von hier wieder loszueisen.

Wichtig ist noch eins: Es darf immer der Spieler seinen Ball schlagen, der gerade am wei­testen vom Loch entfernt auf dem Fairway liegt. Der Spieler, der auf ei­ner Bahn die wenig­sten Schläge benötigt, be­kommt die Ehre zuge­sprochen und darf auf der nächsten Bahn als erster ab­schlagen. Auch das gehört zur Etikette. Wie viel Schläge die ein­zelnen Spieler des Flights be­nötigt haben, wird von einem der Spieler auf einer Score-Kar­te festgehalten, die jeder Club für seine Spieler kos­tenfrei bereit­hält. Die Aus­wer­tung er­folgt im Clubre­s­tau­rant, das oft genug auch als 19. Loch be­zeichnet wird.

Handicap und Stableford-Punkte
Ein Spieler, der die Platzreife erlangt hat, erhält automatisch das Handicap +54. Um zu er­klä­ren, was das Handicap ei­gent­lich aussagt, muss man ein klein wenig Mathematik bemü­hen. Jede Bahn eines 18-Loch-Platzes weist ein Par zwischen 3 und 5 auf. Zählt man diese Par-Vorgaben zusammen, so hat ein 18-Loch-Platz in der Regel ein Gesamt-Par von 72 Schlägen.

Ein Handicap von +54 sagt aus, dass der Spieler auf einer 18-Loch-Runde 54 Schläge über dem Par liegt. Das bedeutet, dass er auf jeder einzelnen Bahn drei Schläge mehr haben darf, als dies das Par vorgibt. Natürlich ist es der größte Wunsch des Golf-Spielers, sich von seinem hohen Handicap herunterzuspielen. Das gelingt am besten bei speziellen Tur­nie­ren, bei denen auch auf das Handicap geachtet wird. Benö­tigt der Spieler dann deutlich weniger Schläge, um den Platz zu meistern, so sinkt auch sein Handicap. Das ist nicht nur gut fürs Ego: Manche Golf-Plätze las­sen sich nur dann betreten, wenn der Spieler ein entspre­chend niedriges Handicap vor­weisen kann. Die Grenze liegt meist bei einem Handicap von -36.

Immer häufiger kommt beim Golfen auch das Zählspiel nach Stableford zum Einsatz, das 1898 von Dr. Frank Stableford er­funden und 1968 in die offiziellen Golfregeln aufgenom­men wurde. Dabei werden je­dem Spieler nach einem bewäl­tigten Loch für die erzielen Schlä­ge Punkte zugewiesen - und zwar abhängig vom eigenen Handicap und vom Par. Hat der Spieler also ein Handicap von -54, so darf er auf jeder Bahn 3 Schläge zum Par hinzuaddie­ren. Auf einer Bahn mit Par 4 zählt der Golfneuling also 3 Schlä­ge hinzu und kommt auf 7. Schafft er es, das Loch mit 7 Schlägen zu spielen, so be­kommt er zwei Stableford-Punk­te. Einen Punkt gibt es bei 8 Schlägen, drei bei 6, vier bei 5 und fünf bei 4 Schlägen. Bei neun Schlägen würde der Spie­ler also keinen Stableford-Punkt mehr erhalten.

Das ist eine ganz schöne Rech­nerei, die den Spielern nach etwas Übung aber schnell von der Hand geht. Die Stableford-Punkte erlauben es, dass sich Golfer unterschiedlicher Spiel­stär­ke miteinander messen kön­nen, ohne dass die guten Spieler automatisch im Vorteil sind. Gut ist freilich auch, dass un­terirdisch gespielte Löcher nicht mehr so stark ins Gewicht fal­len. Für sie gibt es ja höchstens null Punkte. Oft ist dann zu beo­bachten, dass Spieler den Ball aufheben, wenn sich keine Stab­leford-Punkte mehr erzie­len lassen. So wird das Spiel auch noch beschleunigt.

Ziel eines Golfers ist es, auf 18 Loch mindestens 36 Stableford-Punkte zu spielen. In diesem Fall hat er genau sein Handicap gespielt. (Carsten Scheibe)

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